Denkt man an Maria, dann kommt - nicht lange nach der "Mutter Gottes" - die Blumenwelt ins Spiel. Besonders im Sommer und ganz bestimmt an Maria Himmelfahrt. Oder eben auch in der Basilika Bildstein, wo man auf den Spuren Marias durch die Blumenwelt wandeln kann.

"Maria durch ein Dornwald ging ...", jeder und jedem klingen diese Zeilen im Ohr. Das Lied, dessen Melodie aus dem 16. Jahrhundert stammt, erzählt die Geschichte eines knorrigen, verholzten Rosenwaldes, der weder Laub noch Blüten hervorgebracht hat. Als aber Maria durch eben diese Ödnis schreitet, schlagen die alten Ranken neu aus und alles ringsum erblüht. Man braucht wohl nicht zu erwähnen, dass Maria, laut Volkslied, zu diesem Zeitpunkt schwanger war. Maria und die Blumenwelt finden aber auch abseits der musikalischen Pfade immer wieder zusammen bis hin zu den Kräutern, die sich, so besagt es die Legende, auf ihrem Totenbett fanden.

Vom Erzählen in Bildern und Zeichen

Maria und die Flora, dass hier viele Schichten an Bedeutung und Deutung freigelegt werden, versteht sich. Eine davon findet sich auch in der Bilder- und Zeichenwelt des Mittelalters - und genau dort knüpfte die Lustenauer Gärtnerin Judith Sperger an, als sie für die heutige Basilika in Bildstein einen Mariengarten zu planen begann. Das ist jetzt zwar schon ein paar Jahre her, der Garten aber blüht immer noch und ist einen Abstecher nach Bildstein sicherlich wert.

Zurück aber zu den Deutungsebenen. Denn eigentlich kennt man das ja: Die Wände vieler Kirchen, auch bei uns im Land, sind reich mit eindrücklich gestalteten Szenen aus der Bibel verziert. Dass das natürlich, in einer Zeit, in der das Lesen nicht vorausgesetzt werden konnte, auch dazu diente, die biblische Botschaft bildlich an die Frau und den Mann zu bringen, ist heute allgemein bekannt. Und so verhielt es sich auch mit Blumen, Kräutern und Farben. Sprich: Dass eine weiße Rose beispielsweise für die Reinheit Marias steht, dass Pfingstrosen vor Unheil bewahren sollten, dass die Iris den Regenbogen symbolisiert und ein Apfelbaum natürlich auf sein paradiesisches Pendant verweist, das war den Menschen des Mittelalters sehr wohl bewusst und zählte ganz selbstverständlich zu ihrem zeichenhaften Wortschatz. Natürlich war ihnen auch die Wirkung der einzelnen Heilkräuter bekannt. Wurde nun zum Beispiel Maria umgeben von Blumen und Kräutern dargestellt, so waren die Pflanzen kein reines Dekor, sondern betonten jeweils bestimmte Eigenschaften und Rollen der edlen Frau.

Eine eigene Sprache, eine eigene Kraft

Der Bildsteiner Mariengarten ist in diesem Sinne eine blühende Zusammenfassung in zwölf Stationen, die das Leben Marias durch die Blume erleben lassen. „Die Anlage soll aber kein Lehrpfad sein“,  erklärte Judith Sperger anlässlich der Garteneröffnung 2014. Damals war der Garten im Zuge der Außenrenovierung der Wallfahrtskirche völlig neu gestaltet worden. Nein, ihr Garten solle berühren, ganz direkt und barrierefrei. Denn, „diese Pflanzen sprechen eine eigene Sprache, entfalten eine eigene Kraft.“

Vom Paradies über den Regenbogen

Ausgangspunkt für den Rundgang um die Kirche ist auch in Judith Spergers Gartenkonzept das Paradies. Und so hat sie in ein erstes Rondell beispielsweise einen vielblütigen Apfel und eine ganze Schar an Walderdbeeren gepflanzt, umgeben von Heilkräutern und Schutzpflanzen als Symbol für die paradiesische Geborgenheit. Ein Beet weiter finden sich Pfingstrosen, die auf die Beschützerin Maria verweisen und noch einen Schritt weiter fängt sich der Blick im Frühjahr in einer Iris-Wolke, die auf den Regenbogen als Verbindung zwischen Himmel und Erde verweist - und natürlich auch auf Maria als Vermittlerin zwischen den Welten. 

Es blüht bis in den Herbst hinein

Und so geht es weiter, während man Schritt für Schritt eine neue Blüte, ein neues Blatt, ein feines Gras, einen zarten Duft und damit verbunden auch eine neue Seite Marias entdeckt. Da fehlt das satte Blau ebenso wenig, wie das dunkle Grün dreier Eiben, die - am Schlusspunkt des Gartens angekommen - das ewige Leben symbolisieren. Ihr Garten sei eine Einladung, sagt Judith Sperger. Mehr wolle er auch gar nicht sein und es lohnt sich, diese Einladung anzunehmen. Denn es blüht und duftet rund um die Basilika in Bildstein noch bis in den Herbst hinein.

Infos zum Mariengarten von Bildstein

Der Mariengarten ist in 10 Rondellen, einem zweiteiligen Rosenbeet und einem Marienbrunnen angelegt. Die einzelnen Beete tragen, angelehnt an die Bepflanzung und die damit verbundene Symbolik folgende Namen: Paradiesgarten – Unter deinem Schutz – Zwischen Himmel und Erde – Maria Bettstroh – Maria Himmelfahrt – Marienkräuterbeet – Du Königin der Liebe – Maria am Rosenhag – Himmlische Mutter – Sinngarten.

Konzipiert und umgesetzt wurde der Mariengarten von Judith Sperger aus Lustenau www.judithsperger.com

In der Basilika Bildstein liegt eine Broschüre zum Mariengarten auf. Auf Wunsch und nach Voranmeldung werden auch Gartenführungen angeboten: T 05572 58367,  www.maria-bildstein.at

Kräuterweihen zu Mariä Himmelfahrt in Vorarlberg

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