... aber nicht nur die Kirche selbst, sondern auch alle, die ganz bewusst oder auch nur zufällig an den Türen der Feldkircher Johanniterkirche vorbeischrammen. Dort sind derzeit die "ZeitRaffer" - eine Wanderausstellung und ein interaktiver Container-Pavillon - anzutreffen. Und eröffnet wurde das Ganze mit Stille, Klang und Raum.

Puh, irgendwie hört sich das schon ziemlich nach Marathonprogramm an - in der Johanniterkirche die Ausstellung, auf dem Leonhardsplatz, nicht weit entfernt, mit dem Pavillon 50 ein interaktiver Container. In der Johanniterkirche dann "StilleKlangRaum" und eine Buchpräsentation gab es auch noch.

 

Eine Ausstellung und ein Pavillon

Klingt nach viel, war es auch - und trotzdem ging alles einwandfrei Hand in Hand. Dennoch, ohne kurze Erklärung ist da angesichts der inhaltlichen Fülle kein Durchkommen. Deshalb: Die "ZeitRaffer", das ist so etwas wie ein 2-Komponenten-Ausstellungskonzept. Zum einen ist da die Ausstellung, die auf 20 gestalteten Tafeln einmal quer durch die Geschichte des Christentums in Vorarlberg führt. Zum anderen ist da der Pavillon 50, eine interaktive Container-Installation, die sich und vor allem allen Passant/innen die Frage stellt, wofür man denn bereit wäre zu leben und im Umkehrschluss natürlich auch zu sterben? Das geht dann schon ans Eingemachte. Beide, also Ausstellung und Pavillon, gehören zusammen. Die eine blickt zurück, der andere in die Zukunft und gemeinsam raffen sie die Zeit. Übrigens, wer selbst am heute so weit verbreiteten Zeitmangel leidet, für den hält die Ausstellung in der Johanniterkirche einen eigenen Terminal bereit. Dort gibt es Zeitzeugeninterviews, historisches und dokumentarisches Filmmaterial - fein portioniert in kleine filmische Häppchen. Und den ganz Eiligen sei die "Diözesangeschichte für Nervöse" empfohlen, die dauert nur knappe 2 Minuten. 

Beides also, Ausstellung und Pavillon, sind derzeit in Feldkirch zus sehen und wurden dort erst kürzlich von Feldkirchs Vizebürgermeister Wolfgang Matt und Pastoralamtsleiter Martin Fenkart eröffnet - und zwar im Rahmen eines "StilleKlangRaums".

 

Spiritualität - für Einsteiger/innen und Profis

Der "StilleKlangRaum" ist eine - sagen wir mal - andere Form des Gebets. Ganz niederschwellig und barrierefrei kommt es daher. Jede/r kann mitmachen, vielleicht auch nur kurz vorbeischauen oder auch bleiben. Das Konzept ist folgendes: In der Stille des Raum, derzeit ist das die Johanniterkirche in Feldkirch, klingt Musik . Bei der Eröffnung der "ZeitRaffer" war dafür der Frauenchor "Memento" zu Gast. Auf die Musik folgen kurze Passagen, die der Bibel entnommen sind und von mehreren Frauen und Männern aus verschiedenen Richtungen des Raumes gelesen werden. Dann kommt die Stille. Und die löst sich schließlich wieder in Musik auf. Alles in allem dauert das nicht länger als gute 40 Minuten und ist schlichtweg ein Erlebnis - für Einsteiger/innen und Fortgeschrittene.

 

Ein Buch gibt es auch

In der aktuellen Auflage des "Stille KlangRaums" wurde das Konzept noch mit weiteren gesprochenen Einsprengseln ergänzt. Schließlich galt es ja noch, die "Kirchengeschichte Feldkirch" zu präsentieren, die im Rahmen des Feldkircher Stadtjubiläums als einer von acht Bänden zur Stadt und deren Geschichte erschienen ist. Zusammengetragen wurde die Kirchengeschichte Felkdirchs von Diözesanarchivar Michael Fliri, der sein Buch gleich auch selbst vorstellen durfte. Dabei wurde eines schnell klar: Auch Geschichten haben ihre Geschichte. Und dabei kommt es oft sehr auf den Blickwinkel drauf an. Deshalb ist die Kirchengeschichte Feldkirchs vieles. Sie zeigt, wie das Städtchen zum Knotenpunkt zwischen Reformation und Gegenreformation wurde, wie die Johanniter, dann die Kapuziner und Benediktiner und schließlich auch die Jesuiten nach Feldkirch kamen. Die mischten dann wieder nicht nur in Glaubensfragen mit, sondern mit der "Stella Matutina" vor allem auch im Bereich der Bildung und des Schulischen.

Von handfesten Gottesmännern ist die Rede, von Rom, Chur und Altenstadt und natürlich auch von den Bombenangriffen auf Feldkirch während des Zweiten Weltkriegs. Ein Ausritt in die Volksfrömmigkeit fehlt dabei ebenso wenig, wie ein kurzer Abriss über das religiöse Leben im heutigen Feldkirch - das teilt sich das Christentum übrigens längst mit anderen Religionen wie dem Islam oder dem Buddhismus.

Die kurzen Erklärungen zu Stadt, Kirche und Glaube fügrten sich aber einfach nahtlos in die gesprochenen Passagen des "StilleKlangRaums" ein. So entstand kein plumper Bruch, sondern eher ein gut abgestimmtes Duett.

Zum Ausklang des Abends lud dann die Stadt Feldkirch zu Wein und Brot ein - und viele verweilten sich noch lange vor und in der Kirche und vor allem mit dem Gang durch die Ausstellung und die Zeiten.

 

Öffnungszeiten und Buch

  • Die Ausstellung "ZeitRaffer" ist noch bis 9. September in der Feldkircher Johanniterkirche zu sehen.
    Öffnungszeiten: Di –Fr von 10 – 12 und 15-18 Uhr, und So von 10-14 Uhr.
    Ebenfalls bis zum 9. September steht auch der "Pavillon50" auf dem Feldkircher Leonhardsplatz.

 

  • Das Buch „Kirchengeschichte Feldkirch“ ist als einer von acht Bänden zur Stadtgeschichte Feldkirchs im Bucher Verlag erschienen. Der Einzelband kostet 14 Euro, ISBN 978-3-99018-449-3