Bei einem Nachtausflug auf ein Baumhaus hat er sich infiziert. Seither lässt Robert Hemetsberger die Faszination des Sternenhimmels nicht mehr los. Seit 24 Jahren teilt er diese Begeisterung mit den Besucher/innen der Stern-warte auf dem Voggenberg bei Salzburg.

Hans Baumgartner

Er weiß es noch wie heute, denn „diese Erfahrung hat sich in mir eingebrannt“, erzählt Robert Hemetsberger. Ein gemeinsamer Freund hatte den damals Zwölfjährigen und seinen Bruder eingeladen, in dessen Baumhaus zu übernachten. „Er habe eine Überraschung für uns, sagte er nur. Gegen Mitternacht kramte er geheimnisvoll ein kleines Teleskop hervor, und ich habe das erste Mal den Saturn mit seinen Ringen gesehen, die anderen Planeten und die Andromeda-Galaxie. Es war einfach überwältigend.“ Den Kindertraum, Himmelsforscher zu werden, spielte das Leben nicht. Hemetsberger machte eine Elektrikerlehre und wurde später Lkw-Fahrer.  

Sternwarte
Doch die Sehnsucht, in die Weiten des Alls zu blicken, blieb. Mit 24 kaufte er sich ein kleines Tele-skop und fuhr damit eines Abends auf den Gaisberg bei Salzburg, um den M13 im Sternbild des Herkules zu beobachten. Dort redete ihn sein späterer Vereinskollege Ewald Maurer an: „Er erzählte von der Arbeitsgruppe für Astronomie am Haus der Natur, von den monatlichen Astro-Treffen und dass man gerade dabei sei, auf dem Voggenberg eine Volkssternwarte zu bauen.“ Die Würfel waren gefallen. Ein Jahr lang hat Hemetsberger an vielen Wochenenden mit Vereinskollegen an der Sternwarte gebaut.

„Als wir dann mit dem Betrieb begonnen hatten, meinte Eberhard Stüber vom Haus der Natur,  dass unser altes Teleskop für eine Volkssternwarte zu mickrig sei. Mit seiner Unterstützung konnten wir uns ein neues C14 mit einer fast 400-fachen Vergrößerung anschaffen.“ Bis heute schauen die kleinen und großen Besucher/innen durch dieses Teleskop und staunen über die Landschaften des Mondes und die Vielfalt der Sternenwelten. Seit 24 Jahren begleitet sie Hemetsberger mit vier weiteren Vereinskollegen bei wöchentlichen Führungen durch die Weiten des Himmels. „Freilich, seit unseren Anfängen hat die Helligkeit der Sterne deutlich nachgelassen (um eine Größenklasse); was nicht an den Sternen liegt, sondern an der zunehmenden Lichtverschmutzung durch die Stadt Salzburg und die umliegenden Dörfer. Deshalb haben wir auch schon eine Verlegung der Sternwarte geplant, aber leider ist uns der Sponsor abgesprungen.“

Staunen
Bei seinen Führungen versucht Hemetsberger auf die Wünsche der Besucher/innen einzugehen. „Manche kommen und wollen nur einmal den Mond aus der Nähe sehen – und staunen, wenn ich ihnen dann einen Kugelsternhaufen zeige, den Jupiter mit dem Titan oder den Saturn mit seinen Monden.“ Ganz besondere Erlebnisse waren für Hemetsberger die Beobachtung der Sonnenfinsternis im Jahr 1999, bei der er auch einige tolle Astrofotografien machen konnte, oder die Übertragung der Saturnbedeckung auf eine große Leinwand außerhalb der Sternwarte. „Das“, so sagt er und deutet auf ein Bild, wo Leute auf Liegestühlen in den Himmel starren, „ist um Mitte August, wenn die Perseiden kommen und es am Himmel Sternschnuppen (Laurentiustränen) regnet“, von 10. bis 14. August seien sie heuer besonders gut zu sehen. 
 
Nachdenklich
Immer noch begeistert Hemetsberger ein Blick zur Andromeda-Galaxie, die der Milchstraße am nächsten liegt und doch 2,2 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. „Eigentlich blickt man da ja in eine längst vergangene Zeit und in eine unvorstellbare Weite. Da beginnt man schon darüber nachzudenken, wie klein wir und unsere Probleme eigentlich sind. Es drängt sich im einem ein Stück Bescheidenheit und Demut auf“, sagt Hemetsberger. Und auch „wie verletzlich eigentlich unser Planet Erde ist, wenn wir nicht gut darauf aufpassen.“ 
Die Frage, ob hinter diesem gewaltigen Universum eine „höhere Kraft“ steht, lässt Hemetsberger offen. Er selbst sei nicht mehr gläubig, meint er. Das habe aber nichts mit dem Glauben zu tun, sondern mit Leuten, die ihn ziemlich enttäuscht hätten. Was „den Himmel“ angehe, halte er sich eher an mathematisch-physikalische Erkenntnisse und Theorien wie den Urknall, meint aber gleichzeitig, dass „wir vermutlich erst am Beginn unseres Wissens sind. Je mehr wir über das Universum, aber auch über den Mikrokosmos, die kleinsten Bausteine der Materie und des Lebens, wissen, desto mehr Fragen tun sich auf.“ 

Fürs Leben
Eine gewisse Gelassenheit und Achtsamkeit habe er von den Sternen gelernt, und einen neuen Blick „auf das, was uns umgibt“. Über die Astrofotografie hat er zur anspruchsvollen HD-Fotografie gefunden. Mit ihr in diese Landschaften einzutauchen ist ein Erlebnis. Über die Liebe zu den Sternen habe er auch einige wirklich gute Freunde gefunden und ein Engagement, wo er anderen Wissen, vor allem aber Freude weitergeben kann. Deshalb engagiert er sich auch für die Jugendarbeit im Verein.