
Die inhaltliche Klammer des Tages bildete der diözesane Firmprozess „Firmung 4.0“, den Brigitte Dorner, Leitung Junge Kirche, vorstellte. Sie gewährte einen Blick auf den aktuellen Stand: 87 Pfarren haben das neue Modell der Firmvorbereitung bereits umgesetzt, 16 Gemeinden befinden sich mitten in der Umstellung. Für das Jahr 2025 sind 1.233 Firmlinge gemeldet – mit Beteiligungsquoten zwischen 30 und 100 Prozent in den Pfarren, je nach regionaler Situation und pastoraler Ausrichtung. Im Zentrum des Prozesses stehen die „Fünf Säulen der Firmvorbereitung“, die Jugendlichen helfen sollen, ihre Originalität zu entdecken, Glaube in Gemeinschaft zu erleben, Glaubenswissen zu vertiefen und im konkreten Tun Verantwortung zu übernehmen.
Dorner dankte besonders den rund 350 Ehrenamtlichen in der Firmvorbereitung. Sie sind es, die die neuen Konzepte vor Ort mit Leben füllen – in Jugendräumen, Pfarrsälen, bei Projekten und Wochenenden. Verena Marent machte deutlich, dass es kein starres Modell gibt: Pfarren wählen aus unterschiedlichen Formen, etwa einer „Firmreise“ mit mehreren Stationen oder regelmäßigen Monatstreffen, jene Variante, die zu ihrer Gemeinde und ihren Jugendlichen passt.
Eine der Firmvorbereitenden ist Elisabeth, 21, aus Schoren, die im Seelsorgeraum Dornbirn die Gruppe des langen Firmwegs leitet. Für sie war der Workshop „Firmvorbereitung ganz praktisch“ ein besonderer Gewinn: „Ich fand den ganzen Tag richtig cool, total hilfreich, mit vielen neuen Ideen und guter Vernetzung.“ Ihr Fazit: Der Impulstag gibt Rückenwind, um die Firmvorbereitung vor Ort alltagsnah, lebendig und gut strukturiert zu gestalten.
Im Vormittagsblock stand die Lebenswelt der Jugendlichen im Mittelpunkt. Jugendforscherin Mag.a Annette Bernhard von aha – Jugendinfo Vorarlberg sprach in ihrem Impulsvortrag über „Generation Z und Generation Alpha – Wer sie versteht, baut auf die Zukunft“. Sie beschrieb, wie junge Menschen heute in einem „Dauerkrisenmodus“ aufwachsen: multiple Krisen, ein Überangebot an Optionen und hoher Leistungsdruck führen nicht selten zu Überforderung und Orientierungslosigkeit. Gleichzeitig zeichnen sich viele Jugendliche durch Pragmatismus, Sehnsucht nach Stabilität und ein hohes Bedürfnis nach Sinn aus.
Bernhard betonte, wie wichtig es ist, Jugendliche ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und sie aktiv zu beteiligen. Als erste echte „Digital Natives“ bewegen sie sich selbstverständlich in einer Welt, in der reale und digitale Räume ineinandergreifen – während sie sich bei Fragen der Medienkompetenz oft allein gelassen fühlen. Gute Beziehungen – in Familie, Schule, Pfarre und Freundeskreis – geben ihnen Halt und sind damit auch für die Firmvorbereitung zentral.
Das bestätigt auch Mariel, 20, aus Schlins. „Bisher war ich eigentlich vor allem in der Ministrantenarbeit engagiert, aber die Arbeit mit Firmlingen interessiert mich sehr – deshalb bin ich heute hier“, erzählt sie. Besonders angesprochen haben sie die praxisnahen Angebote: „Vor allem der Social-Media-Workshop und der Methodenworkshop – da habe ich viel Konkretes mitgenommen, wie man Jugendliche über ihre digitalen Lebenswelten gut erreichen kann.“ Für sie verbindet sich damit Forschung und Alltag: Was die Jugendstudien beschreiben, wird in der Firmpraxis greifbar.
Im Anschluss an den Vortrag griffen zwei theologische Stimmen die Impulse auf: Claude Bachmann, Theologe, Festivalseelsorger und wissenschaftlicher Assistent an der Theologischen Hochschule Chur, sowie Dr.in Petra Steinmair-Pösel, Theologin und Pastoralamtsleiterin der Diözese Feldkirch. Bachmann erinnerte daran, dass kirchliches Leben lange davon geprägt war, dass „alle gleich gedacht“ haben – ein Modell, das im Zeitalter des Individualismus nicht mehr trägt. Jugendarbeit heute brauche Spontanität, Authentizität und echte Beziehung. Wer mit Jugendlichen arbeitet, müsse „Jugendpastoral fühlen“, Humor mitbringen und vor allem Freude an jungen Menschen haben.
Steinmair-Pösel betonte die pastorale Grundhaltung des Hinhörens: Es gelte, aufmerksam wahrzunehmen, was Jugendliche bewegt, und darin die Stimme Gottes zu entdecken, die der Kirche Wege in die Zukunft zeigt. Ihr Wunsch: dass Kirche nicht nur über Jugendliche spricht, sondern mit ihnen – und von ihren Perspektiven her Kirche und Gesellschaft mitgestaltet.
Am Nachmittag öffnete das „Inspiration Lab“ den Blick für neue Wege in der Firmpastoral. Unter dem Titel „Jugend trifft Glauben – Firmpastoral next level im Ländle“ stand die Frage im Raum, wie Glaube für Jugendliche heute anschlussfähig werden kann. Viele junge Menschen können mit traditionellen Gottesbildern wenig anfangen, gleichzeitig wächst die Suche nach Sinn, Beziehung und einer tragenden Kraft „von oben“.
Im Lab wurde daher zunächst persönlich gefragt: Was treibt mich selbst an? Welche Rolle spielt Glaube in meinem Leben? Wie spreche ich darüber? Aus diesen Erfahrungen heraus wurde ein Bild von „Next Level Firmpastoral“ entworfen: junge Menschen, die in Freundschaft mit Gott leben, ihre Talente einbringen und Kirche als Ort erleben, an dem sie mitgestalten können. Zum Abschluss richtete sich der Blick nach vorne: Wie können Firmteams Jugendlichen Lust machen, auch nach der Firmung aktiv zu bleiben – etwa in der Pfarre, in der Jugendarbeit oder in sozialen Projekten?
Dass Firmung Menschen langfristig verbindet, zeigte sich auch in den persönlichen Zeugnissen. Nadja erzählte von einem Hüttenwochenende als Highlight ihrer Firmvorbereitung, an dem Gemeinschaft und Glaube spürbar wurden. Nils, der mit zwölf Jahren gefirmt wurde, sprach sich heute für eine Firmung mit etwa 17 Jahren aus: Man sei präsenter und eher bereit, über den eigenen Glauben zu sprechen – er selbst engagiert sich inzwischen in der Firmvorbereitung. Martin begründete sein Engagement im Firmteam mit dem Wunsch, sich bewusst ehrenamtlich einzubringen. Noemi wiederum berichtete, dass sie sich bereits als Firmling im Firmteam wohlgefühlt hat und heute froh ist, fix im Team zu sein – als Ort, an dem Fragen und Glauben Platz haben.
Eine andere Perspektive bringt Mladen, 45, Gemeindeleiter der Pfarre Bürs, ein. „Ich habe mich angemeldet, weil mir die Arbeit mit Jugendlichen sehr wichtig ist“, sagt er. „Manches war heute eine gute Wiederholung, aber es war auch viel Neues dabei. Besonders bereichernd waren für mich die Impulse dazu, wie man die Arbeit mit Jugendlichen auffrischen kann, der Umgang mit Jugendlichen heute, die vorgestellten Statistiken und Zahlen zur Jugend sowie die spannenden Vorträge.“ Für ihn bestätigt der Tag: Die Kirche in Vorarlberg entwickelt ihre Jugendarbeit kontinuierlich weiter – inhaltlich fundiert und doch nah an der Praxis.
Die Workshops am Vor- und Nachmittag machten sichtbar, wie vielfältig Firmvorbereitung heute sein kann. Im Methodenworkshop „Zwischen Bibelquiz, Pastatalk, Krimidinner, etc.“ wurden kreative Zugänge vorgestellt, die spielerisch in Glaubensthemen einführen. In der „Wort-Werkstatt“ arbeiteten Teilnehmende daran, Firmsprüche mit Jugendlichen so zu gestalten, dass sie wirklich zu deren Leben passen. „Firmvorbereitung ganz praktisch“ und „Die fünf Säulen – Orientierung für eine lebendige Firmvorbereitung“ boten Hilfestellung, um aus vielen Ideen ein stimmiges Gesamtkonzept zu formen.
Weitere Workshops setzten thematische Akzente: „Hey Gott… hörst du mich?“ widmete sich dem Beten mit Jugendlichen; „Musik & Filme“ zeigte, wie sich Glaube mit Hilfe von Popkultur entdecken lässt. „Post it“ nahm Kommunikation und Social Media in den Blick, „Offen fragen, ehrlich glauben – ALPHA in der Firmvorbereitung“ stellte ein Gesprächsformat für Zweifel und Glaubensfragen vor. „Funkenflug nach der Firmung?“ fragte nach Anschlussmöglichkeiten über den Firmtag hinaus, „Zwischen Kairos und Klartext“ gab Impulse für ehrliche Glaubensgespräche mit Jugendlichen.
Zwischen den Programmpunkten blieb Zeit für Kaffee, Kipfel, Begegnung und Vernetzung. In Kleingruppen wurde darüber gesprochen, wer den eigenen Glauben gestärkt und welche Talente so in einem selbst Gestalt gewonnen haben. Zum Abschluss führte eine „SpiriTime“ mit Segnung und Sendung alle Eindrücke des Tages noch einmal zusammen.
Der Impulstag Firmung in St. Arbogast hat gezeigt: Wenn Kirche die Lebenswelten junger Menschen ernst nimmt, ihnen zuhört und sie beteiligt, wächst eine Firmpastoral, die nicht nur auf ein Sakrament hinführt, sondern Jugendliche auf ihrem Weg ins Erwachsensein begleitet.
Für viele Teilnehmende war der Tag deshalb ein Aufbruch – hin zu einer Firmung, die junge Menschen ermutigt, ihre Talente einzubringen und Kirche aktiv mitzugestalten.