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https://unsplash.com/de/fotos/eine-frau-die-ein-bild-eines-mannes-halt-BUIqHYpMt_M
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Christfluencer

Christfluencer erreichen mit kurzen Videos, persönlichen Geschichten und klaren Botschaften täglich tausende junge Menschen. Sie sprechen über Gott, Zweifel, Alltag und Identität – direkt im Feed, zwischen Trends und Lifestyle-Content. Doch wie authentisch ist dieser digitale Glaube? Welche Chancen bietet er für die Kirche, und wo liegen mögliche Risiken?

Über diese Fragen sprechen wir mit Bischof Benno. Im Interview geht es um die Rolle von Social Media im Glaubensleben junger Menschen, um Orientierung im digitalen Raum und darum, wie Kirche heute zwischen Algorithmus und echter Begegnung ihren Platz findet.

Wie nehmen Sie den Einfluss von Social Media auf den Glauben junger Menschen wahr?
 

Social Media ist für viele Jugendliche heute ein wichtiger Ort der Orientierung und Begegnung, auch in Glaubensfragen. Manche finden dort Inspiration, Gemeinschaft und einen ersten Zugang zu spirituellen Themen. Gleichzeitig braucht es aber die Fähigkeit zu unterscheiden, weil nicht alles, was überzeugend klingt, auch hilfreich oder wahr ist.

 

Was denken Sie über sogenannte „Christfluencer“ – Chance oder Herausforderung für die Kirche?

 

Beides. Die Frage ist, wie es gemacht wird. Christfluencer können Glauben sichtbar und verständlich machen, besonders für junge Menschen, die mit klassischen kirchlichen Angeboten wenig Kontakt haben. Zugleich sehe ich auch Gefahren – etwa, dass Glaube zu stark vereinfacht oder an einzelne Persönlichkeiten gebunden wird.

 

Wie kann Glaube authentisch auf Social Media gelebt werden, ohne inszeniert zu wirken?

 

Authentisch wird Glaube dort, wo Menschen ehrlich über ihre Fragen, Hoffnungen und Erfahrungen sprechen. Dementsprechend würde ich sagen: Wer keinen Zweifel kennt, nur schöne Bilder zeigt, alles zu wissen scheint und mit einer zur Schau gestellten Sicherheit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden weiß, wirkt für mich zumindest schnell künstlich und damit weniger glaubwürdig.

 

Welche Verantwortung tragen Menschen, die online über Glauben sprechen?

 

Wir leben in einer redaktionellen Gesellschaft. Das heißt: Wir müssen uns bewusst sein, dass alles, was wir in den sozialen Netzwerken posten oder teilen, Auswirkungen hat. Wer persönlich von seinem Glauben erzählt, gibt etwas von seinem Innersten preis und exponiert sich auch in einer gewissen Weise. Wer Social Media nutzt, um Glaubensinhalte zu vermitteln, sollte sich bewusst sein: Niemand besitzt die ganze Wahrheit. Deshalb braucht es Zurückhaltung und Verantwortungsbewusstsein. Religiöse Aussagen dürfen niemals Druck erzeugen, Angst befeuern oder Menschen ausgrenzen, sondern sollen Freiheit und Vertrauen fördern.

 

Wie können Jugendliche erkennen, ob religiöse Inhalte ihnen guttun oder sie eher unter Druck setzen?

 

Ein guter Maßstab ist die Frage: Führt mich dieser konkrete Inhalt zu mehr Hoffnung, Freiheit und Vertrauen oder zu Angst und schlechtem Gewissen? Der christliche Glaube will Menschen stärken, nicht klein oder abhängig machen.

 

Wie kann die Kirche junge Menschen in ihrer Sinnsuche auf digitalen Plattformen begleiten?

 

Indem sie zuhört, präsent ist und Räume für ehrliche Fragen schafft. Junge Menschen erwarten, so erlebe ich das zumindest, nicht fertige Antworten auf alles. Kirche sollte auch digital ein Ort des Dialogs und der Ermutigung sein.

 

Was raten Sie Jugendlichen, die sich von widersprüchlichen Glaubensbotschaften im Internet verunsichert fühlen?

 

Widersprüchliche Stimmen im Internet können schnell verunsichern, das ist zunächst ganz normal. Wichtig ist, sich nicht unter Druck zu setzen, sofort eine „richtige“ Antwort finden zu müssen. Bei Verunsicherungen könnte z.B. helfen, andere verlässliche Quellen zu verwenden. Und natürlich kann auch ein Gespräch mit einem Priester oder Seelsorgerinnen und Seelsorgern helfen, Orientierung zu finden.

 
Wie wichtig ist kritisches Hinterfragen auch im Glauben – gerade im digitalen Raum?

 

Ich habe es in vorhergehenden Antworten schon angedeutet: Ich finde das Hinterfragen und kritische Prüfen von Inhalten sehr wichtig, ja essentiell, und das nicht nur bei Glaubensthemen und nicht nur im digitalen Raum. Glaube und Denken gehören zusammen. Gerade aber auf Social Media braucht es die Fähigkeit, Quellen zu prüfen, Inhalte einzuordnen und kritisch nachzufragen. Ein reifer Glaube hat keine Angst vor Fragen und gibt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden.

 
Welche Rolle spielt die Bibel heute noch, wenn viele ihre Glaubensinhalte über Social Media beziehen?

 

Die Bibel bleibt eine der zentralen Grundlagen des christlichen Glaubens. Social Media kann Impulse geben, einzelne Inhalte vermitteln und im besten Fall zur Bibellektüre anregen, aber natürlich nicht die Auseinandersetzung mit den Texten der Heiligen Schrift ersetzen. Wer nur kurze Clips konsumiert, bekommt auch nur einzelne Aussagen und Puzzlestücke. Die Bibel hingegen hilft, den größeren Zusammenhang des Lebens im Licht des Glaubens zu verstehen.

Dieser Artikel erschien im anstösse.
Hier findest du die komplette Ausgabe.
Veröffentlicht am 16.06.2026
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