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CCJ
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Sternsingen 2027 - Beispielprojekt Kolumbien Corporación Colombia Jóven (CCJ)

Kolumbien: Jugend schafft Zukunft

 

Kolumbien ist ein Land der Kontraste. Einerseits beeindruckt es durch seine biologische und kulturelle Vielfalt, andererseits kämpft es mit tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Viele Regionen leiden unter Armut, Ungleichheit und den Folgen jahrzehntelanger bewaffneter Konflikte. Besonders betroffen sind ländliche Gebiete, in denen indigene und afrokolumbianische Gemeinschaften oft marginalisiert werden. Mit rund 52 Millionen Einwohner*innen, von denen etwa 10,6 % afrokolumbianischer Herkunft sind, gehört Kolumbien zu den Ländern mit der höchsten Einkommensungleichheit in Lateinamerika.
Die Wirtschaft ist stark abhängig von Rohstoffexporten wie Gold, Kohle, Kaffee und insbesondere dem Anbau von Zuckerrohr und Palmöl. Trotz des Friedensabkommens von 2016 mit der FARC-Guerilla bleibt die Gewalt in vielen Regionen durch Paramilitärs, kriminelle Banden und Dissidentengruppen ein drängendes Problem.

 

Die Provinz Cauca im Südwesten Kolumbiens, in der unsere Partner*innen von CCJ arbeiten, zählt zu den ärmsten und gewaltgeprägtesten Regionen des Landes. Ein Großteil der Bevölkerung ist afrokolumbianischer Herkunft, Nachkommen versklavter Afrikaner*innen, die im 17. Jahrhundert in die Region gebracht wurden.

 

Viele Familien verdienen sich ihr Leben in den Industriegebieten, als Tagelöhner*innen z.B. auf den Zuckerrohrplantagen und in der Ziegelherstellung, oder im informellen Sektor durch Motortaxis oder den Verkauf von Lotterielosen.
Landkonflikte verschärfen die Situation weiter, da Großgrundbesitz und Monokulturen die fruchtbaren Böden dominieren. Kleinbäuer*innen haben kaum Zugang zu Land oder Krediten, was ihre wirtschaftliche Autonomie stark einschränkt. Es bleibt nur wenig Land, auf dem sie Lebensmittel für sich anbauen können. Die Klimakrise verschärft die Lage durch lange Dürrephasen. Wenn es doch regnet, kommt es zu starken Überschwemmungen.

 

Der Zuckerrohranbau schädigt zudem die Gesundheit. Die Felder werden aus der Luft mit giftigen Chemikalien besprüht. Viele Menschen leiden an Atemwegserkrankungen oder Hautreizungen. Auch Brunnen sind durch Schadstoffe verunreinigt. Wasser, das eigentlich Leben schenken soll, macht krank. Medizinische Hilfe können sich die Familien aber kaum leisten.

 

Die Schulen sind häufig schlecht ausgestattet, und viele Jugendliche brechen die Schule ab, um zu arbeiten. Gewalt durch bewaffnete Gruppen, die Teile der Region kontrollieren, ist allgegenwärtig. Jugendliche werden für den Drogenhandel oder als Kuriere rekrutiert, was die Perspektivenlosigkeit weiter verstärkt. So wird ihnen das genommen, was Kinder dringend brauchen: Schutz, Gesundheit, Bildung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Trotz dieser Herausforderungen ist die afrokolumbianische Kultur in der Region lebendig. Sie lebt stark von Erzählungen, Liedern und mündlich weitergegebenen Traditionen, Musik (z. B. Currulao), Tanz und gemeinschaftlicher Arbeit. Gleichzeitig kämpfen die Gemeinschaften gegen Rassismus und Ausgrenzung, die historisch tief verwurzelt sind.

 

Unsere Partnerorganisation Corporación Colombia Jóven (CCJ)

 

In diesem schwierigen Umfeld setzt sich die Corporación Colombia Joven (CCJ) seit 1991 für die politische und soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen ein. Mit Sitz in Villa Rica arbeitet die Organisation in einer Region, die besonders von Armut, Perspektivlosigkeit und Umweltzerstörung betroffen ist. Die Jugendlichen dort wachsen in einem Umfeld auf, das von Arbeitslosigkeit, Bildungsarmut, Gewalt und Ausgrenzung geprägt ist. Viele von ihnen geraten in den Drogenhandel, konsumieren Drogen oder schließen sich bewaffneten Gruppen an. CCJ setzt diesem Kreislauf ein ganzheitliches Bildungs- und Empowerment-Programm entgegen, das neue Wege aufzeigt – mit einem starken Fokus auf Umweltschutz, Agrarökologie und wirtschaftliche Selbstständigkeit.

 

Bildung für sichere Zukunft

 

CCJ legt großen Wert auf Bildung und Persönlichkeitsentwicklung. In Workshops werden Themen wie Rechte und Pflichten, soziale Ungleichheit, emotionale Selbststeuerung, Gewaltprävention, Sexualerziehung und Gendergerechtigkeit behandelt. Diese Workshops fördern ein kritisches Verständnis der eigenen Realität und stärken das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. Kulturelle Aktivitäten wie Tanz, Musik und Theater spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen es den Jugendlichen, ihre afrokolumbianische Identität als etwas Wertvolles zu erleben und ihr Zugehörigkeitsgefühl zu stärken. Psychologische Begleitung hilft den Jugendlichen, mit Trauma, Stress und familiären Konflikten umzugehen.

Nahrung und Einkommen

 

Ein zentraler Baustein des Projekts ist die Förderung wirtschaftlicher Selbstständigkeit. CCJ unterstützt Jugendliche dabei, praktische und nachhaltige Initiativen umzusetzen, die ihnen helfen, eigene Kleinunternehmen aufzubauen. Dazu gehören der Anbau von z.B. Mais, Kochbananen, Maniok, Bohnen, Kakao und Obst, die Zucht von Hühnern und Schweinen sowie die Erichtung von Gemeinschaftsgärten. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Nahrungssicherheit bei, sondern ermöglichen auch den Verkauf von Überschüssen auf lokalen Märkten. Zusätzlich erhalten die Jugendlichen Startkapital oder kleine Kredite, um ihre Initiativen zu beginnen oder zu stärken. Schulungen in digitalen Fähigkeiten, Social Media und Online-Marketing helfen ihnen, ihre Produkte besser zu vermarkten und den Zugang zu neuen Märkten zu verbessern. Auch kulturelle Aktivitäten wie Tanz-, Musik- und Theatergruppen, die bei Veranstaltungen auftreten, tragen zur Einkommensgenerierung bei und stärken gleichzeitig die kulturelle Identität der Jugendlichen.

Landwirtschaftliche Aktivitäten mit Jugendlichen

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist Isabela, die durch die Unterstützung von CCJ eine erfolgreiche Hühnerzucht aufbauen konnte. Mit Starthilfe in Form von Hühnern, Futter und landwirtschaftlichem Training hat sie heute ein eigenes Einkommen und plant, ihr Geschäft weiter auszubauen. Ihr Traum ist es, eines Tages ein eigenes Restaurant zu eröffnen und damit Arbeitsplätze für andere Jugendliche zu schaffen.

Frieden statt Gewalt

 

Mit kreativen Angeboten stärken Kinder und Jugendliche ihr Selbstvertrauen. Sie können Gemeinschaft erleben und Mut für die Zukunft entwickeln. Besonders setzen sie sich dafür ein, dass Gewalt endgültig beendet wird und die Menschen endlich friedlich zusammenleben.

Die Wirkung des Projekts ist vielfältig. Für die Jugendlichen bedeutet es vor allem wirtschaftliche Autonomie: Viele gründen eigene Kleinunternehmen, was ihre Armut verringert und ihnen ein eigenständiges Leben ermöglicht. Die Bildung und Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen wird durch die Workshops und kulturellen Aktivitäten gestärkt, was zu einem höheren Selbstbewusstsein und besseren Führungsfähigkeiten führt. Die soziale Teilhabe der Jugendlichen nimmt zu, da sie sich in Gemeinschaftsprojekten engagieren und politische Teilhabe erfahren. Gleichzeitig geht die Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen zurück, da die Jugendlichen Alternativen haben. Auch Drogenkonsum und Kriminalität nehmen ab.
Für die Gemeinschaften bedeutet das Projekt eine Stärkung des sozialen Gefüges, da Familien und Nachbarschaften gemeinsam an Lösungen arbeiten. Der Umweltschutz wird durch Aufforstung und den Schutz von Wasserquellen verbessert, und die kulturelle Bewahrung traditioneller Praktiken wird gefördert.

Veröffentlicht am 25.06.2026
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