2009 trat Delfor bei den Steyler Missionaren ein und begann seine Ausbildung: ein Jahr in Córdoba, ein Jahr in Paraguay, sieben Jahre in Chile. Während seines Theologiestudiums beschäftigte er sich intensiv mit Fragen von Säkularisierung und einer sich wandelnden Kirche.
2017 kam er im Rahmen eines interkulturellen Praktikums erstmals nach Österreich und arbeitete ein Jahr lang in Bischofshofen: in der Schule, in Pfarre und wo es in sonst noch überall brauchte. Diese Zeit prägte ihn so nachhaltig, dass er sich am Ende seines Studiums entschied, als Missionar nach Österreich zurückzukehren. 2022 war es so weit. Nach kurzem Aufenthalt in Wien kam er auf Anfrage des Provinzials nach Vorarlberg – zunächst drei Jahre nach Dornbirn und seit einem Jahr als Seelsorger im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast und Jugend- und Jungscharseelsorger Vorarlberg am Marktplatz 4.
Für Delfor hat sich das Verständnis von Glaube über die Jahre verändert. Prägte ihn als Kind vor allem seine Familie, war es als Jugendlicher die Gemeinschaft in Pfarre, Musik- und Jugendgruppe, die ihn trug. Bei den Steyler Missionaren erlebt er bis heute: Glaube ist etwas, das verbindet – Freude wird geteilt, in schweren Zeiten ist jemand da.
Mit den Jahren ist eine weitere Dimension dazugekommen: die Frage nach Sinn und Ziel des Lebens. „Jetzt denke ich langsam, dass Glaube natürlich viel mit Gemeinschaft zu tun hat, aber auch viel mit dem Leben selbst: was das Leben wirklich bedeutet, was wir suchen, was das Ziel und der Sinn des Lebens ist", beschreibt er es.
In seinen Gesprächen mit Jugendlichen erlebt Delfor immer wieder tiefgehende Fragen – nach der Existenz Gottes, nach der Auferstehung, aber auch ganz persönliche Fragen rund um Lebensentscheidungen und Probleme. Sein Zugang dazu ist bewusst zurückhaltend: nicht Antworten liefern, sondern begleiten und zuhören.
„Die Themen der Gespräche gehen oft sehr in die Tiefe. Da möchte ich einfach da sein und das Gefühl geben, dass man damit nicht alleine ist", erzählt er. Genau diese Haltung – präsent sein, mitfühlen, manchmal von eigenen Erfahrungen erzählen – schafft nach seiner Erfahrung eine tiefe Verbindung, gerade dort, wo zu Hause oder im Freundeskreis nicht alles ausgesprochen werden kann.
Auf die Frage, wie sich Kirche entwickeln müsste, um näher an den Jugendlichen zu sein, hat Delfor eine klare Haltung: Es brauche eine Kirche, die wirklich zuhört – nicht nur hört, sondern wahrnimmt, was junge Menschen suchen und brauchen. Er ist sich bewusst, dass diese Forderung nicht neu ist, sondern seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Raum steht. Der Wandel alter Strukturen falle schwer, weil sie auch Sicherheit geben. Doch seine Überzeugung bleibt: „Die Jugendlichen sind die, die die neue Kirchen gestalten werden."
Delfor ist regelmäßig am Marktplatz 4 in Feldkirch anzutreffen. Im offenen Büro der Jungen Kirche Vorarlberg stehen die Türen offen – dienstags und donnerstags, beim Coworking zwischen 13:00 und 17:00 Uhr, oder etwa beim Bierbel, bei der Feierabendmeditation und beim Bible Journaling, außerdem bei Veranstaltungen in St. Arbogast. Er ist auch über Social Media erreichbar und lädt offen dazu ein, sich einfach bei ihm zu melden – ob für ein Gespräch oder einen Kaffee. „Wenn man natürlich zum Coworking vorbeischaut, dann freu ich mich immer über eine feine, gemeinsame Pause“, fügt er zum Abschluss hinzu.
Delfor Nerenberg (35) wurde im Nordosten Argentiniens geboren und ist Mitglied der Steyler Missionare. Seine Ausbildung führte ihn über Córdoba, Paraguay und Chile, bevor er 2017 erstmals für ein interkulturelles Praktikum nach Österreich kam. Seit 2022 lebt er dauerhaft in Vorarlberg, zunächst drei Jahre in der Pfarrarbeit in Dornbirn, und seit einem Jahr als Seelsorger im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast und Jugend- und Jungscharseelsorger Vorarlberg.