
„Jeder und jede sollte einmal Theologie studieren, wenn die Möglichkeit dazu besteht“, hörte ich unlängst einen Priester sagen. Wenn ich bedenke, dass das Theologiestudium wie kaum ein anderes Studium den Raum bietet, sich exklusiv und wissenschaftlich fundiert mit den grundsätzlichsten Lebensfragen zu beschäftigen, kann ich diese recht steile These nur untermauern.
Ich denke, dass ich schon als Jugendliche auf eine gewisse Art und Weise „Theologie studiert“ habe, indem ich neben dem rein spirituellen Zugang immer mehr den Wunsch verspürt habe, mich Gott intellektuell zu nähern – quasi durch eine wissenschaftliche Überprüfung des Glaubensgehalts. Gute Bücher und gute Religionslehrer halfen mir dabei. Bei der Einschreibung für die Theologie habe ich allerdings etwas gezögert; erst das Kennenlernen der vielfältigen Berufsfelder konnte mich überzeugen, mich noch einmal ein paar Jahre intensiv damit zu befassen.
Das Studium führt aufgrund der historischen Wurzeln des Christentums in (für mich teilweise ganz neue) Kulturräume und Lebenswelten verschiedener Epochen ein und ist erstaunlich interdisziplinär. So begegnet man etwa in der biblischen Theologie immer wieder der altorientalistischen Archäologie, Sprachfreudige können sich an Griechisch, Latein oder Hebräisch versuchen, die klassische Philosophie als „Denkschule“ spielt eine große Rolle, und da die Theologie immer wieder das Verhältnis zu den Naturwissenschaften klären muss, ist auch ein Kontakt mit diesen nicht ausgeschlossen.
Die Frage nach der persönlichen Berufung ist für mich unglaublich tiefgründig, da sie zum einen die Suche nach der eigenen Identität einschließt und zum anderen die Frage, von wem oder was der Ruf stammt. Von den Nöten und Bedürfnissen der Welt? Von mir selbst? Von Gott? Die Berufungssuche mündet bei mir immer wieder in der Gottessuche und geht weit über berufliche Tätigkeiten hinaus. So sehe ich bis zum Lebensende noch sehr viele (teilweise recht unterschiedliche) Aufgaben vor mir, denen jedoch zwei grundsätzliche Berufungen zugrunde liegen, die ich als großen Schatz im christlichen Glauben entdeckt habe: der sinnvolle Einsatz meiner Fähigkeiten und die Weitergabe der Gottesliebe.
Ich denke, viele erwarten von Theologiestudierenden, dass sie dieser Weg entweder zum Priesteramt, zur Pastoralassistenz oder ins Lehramt führen wird. Ich durfte in Köln und Bonn jedoch darüber hinausblicken: ehemalige Theologiestudent*innen, die in der Gefängnis- oder Obdachlosenseelsorge, in den Medien, in der Berufungspastoral oder sogar in der Wirtschaft arbeiten. Sollten die erstgenannten Berufe also nicht zusagen, möchte ich dazu ermutigen, ein eventuell bestehendes Interesse am Fach nicht über Bord zu werfen. Im geisteswissenschaftlichen Bereich wird zudem an immer mehr Universitäten die Kombination mit einem anderen Fach ermöglicht, woraus sich noch mehr Möglichkeiten für individuelle Schwerpunktsetzungen ergeben.
Das Theo-Forum ist eine Veranstaltung, die durch Workshops und Aussteller Einblick in die Welt der kirchlichen und sozialen Berufe geben soll. Ich vertrat mit anderen Studierenden das Theologiestudium.
Ich hatte viele schöne Gespräche mit sehr an der Theologie interessierten Menschen. Darüber hinaus war die allgemeine Frage nach der persönlichen Berufung in fast jedem Gespräch Thema. Da ich den Eindruck habe, dass diese Frage für viele auch eine Belastung darstellt, hoffe ich, dass ich vor allem die Botschaft vermitteln konnte, dass auch ein Weg mit Umwegen und vielen Weggabelungen ein wirklich schöner ist.
Ja. Insbesondere die Diözesangruppentreffen sind für mich sehr wertvoll, da das Anliegen, in verschiedene Berufsfelder einzuführen, gut umgesetzt wird. Darüber hinaus bin ich nach wie vor gerne Gast auf Veranstaltungen der Katholischen Kirche Vorarlberg.